Routineassessment Psychosomatik - Entwicklung und Implementierung

Förderrahmen: Kooperationsprojekt mit der DRV Braunschweig-Hannover, des Rehazentrums Oberharz, der Deutschen Gesellschaft für Klinische Psychotherapie und Psychosomatischen Rehabilitation (DGPPR).

Projektleiter: Dr. Rüdiger Nübling, Dr. Jürgen Schmidt (GfQG), Prof. Dr. Markus Bassler (Rehazentrum Oberharz, DRV Braunschweig Hannover)

Projektleiter-EMail: nuebling@gfqg.de, schmidt@gfqg.de, markus.bassler@drv-bsh.de

Laufzeit: 01.07.2012 – noch offen

Themen: Psychosomatische Rehabilitation, Basisdokumentation, Routineassessment, Qualitätssicherung

Hintergrund

Das Thema standardisierte (Routine-)Diagnostik ist in der Psychosomatik seit mindestens 25 Jahren ein Dauerbrenner. Bisher besteht kein Konsens, welche Dimensionen und Verfahren zur Diagnostik, zur Schweregradmessung bzw. zur Therapieverlaufs- und Ergebnismessung von psychischen Erkrankungen herangezogen werden sollen (müssen). Das Thema ist mit mannigfaltigen Entscheidungsproblemen verbunden (z. B. bezüglich Art, Inhalt, Umfang des Assessments, Erhebungsinstrumente). Eine wichtige neue Grundlage für den Einsatz eines Routine-Assessments ist, dass der Einsatz geeigneter Assessmentverfahren bei Aufnahme und Entlassung als Qualitätsindikator für die BAR gilt (BAR-Kriterienkatalog, Kap. 9). Dort wird gefordert, dass Rehabilitationseinrichtung weist nach, dass bei Aufnahme und Entlassung der Rehabilitanden zur Ergebnismessung jeweils systematisch und regelhaft der Einsatz von geeigneten Assessments erfolgt. Grundlagen für aktuelle Entwicklungen sind einige, vor allem im Bereich der psychosomatischen Rehabilitation entwickelten Basisdokumentations- sowie auch umfassendere Assessmentsysteme. Als Basisdokumentationen sind vor allem zu nennen das BEDOK-System (Schmidt & Nübling, 1989), die AHG-Basisdokumentation (Zielke, 1994), die DKPM-Basisdokumentation (Broda et al., 1993), die Psy-Bado (Heuft & Senf, 1998) oder die Psy-Bado-PTM (Tritt et al., 2003). Umfassendere Diagnostik/Assessment-Systeme für die Psychotherapie/Psychosomatik sind z.B. das Berliner Dokumentationssystem (Rudolf, 1981), das Dokumentationssystem Klinik Grönenbach (Mestel et al., 1995), das PRL-System Fachklinik Bad Dürkheim (Gönner & Bischoff, 2002) oder Dokumentationssystem der Kliniken Schömberg, Gengenbach u.a. (Schmidt & Nübling, 2003). Alle Systeme waren oder sind in vielen Einrichtungen gut etabliert. Vor allem die Assessmentsysteme arbeiten allerdings vorwiegend mit lizensierten Tests, sind also auf die Dauer teuer und umständlich in der Handhabung (z.B. was die Kombination mit eigenen und/oder nichtlizensierten Verfahren angeht). Dies war ein Grund, ein neues System zu konzipieren und zu erproben.

Methodik

Leitgedanke für ein neues Routine-Assessment im Reha-Indikationsbereich Psychosomatik war, zum einen ein Instrument mit Reha-Relevanz zu entwickeln, z.B. mit klarem ICF-Bezug unter Einschluss der Erhebung beruflicher bzw. sozialmedizinischer Problemlagen. Es sollte zum anderen auch eine klare Relevanz für die Psychosomatik haben, also wesentliche Aspekte für die Diagnostik sowie auch von Verlauf und Ergebnis psychosomatischer Rehabilitation abbilden können. Wichtige Bezugspunkte sind dabei die Praktikabilität sowie die Verwertbarkeit für die klinische Praxis. Das System sollte auch Therapieschulen übergreifend einsetzbar sein. Als Zielsetzungen für das Routine-Assessment können genannt werden: die Objektivierung des IST-Zustandes bei Reha-Beginn und bei Reha-Ende und die zeitnahe Verfügbarkeit der Daten (z. B. Nutzungsmöglichkeiten für Therapieplanung, Entlassungsbericht , Therapieerfolgskontrolle). Darüber hinaus sollten die Daten als Basis für die Qualitätssicherung und für die wissenschaftliche Evaluation der Reha-Maßnahmen tauglich sein. Zentrales Kriterium sind dabei auch die Kosten für das Verfahren, weshalb lizensierte zugunsten lizenzfreien Erhebungsverfahren ausgeschlossen wurden. In einem mehrstufigen Prozess wurden bestehende Verfahren gesichtet, bewertet und ausgewählt. Die einbezogenen psychometrischen Instrumente sowie die Messzeitpunkte, an denen die jeweiligen Tests erhoben werden, zeigt in der Übersicht die Tabelle. Aktuell wird das System, für das parallel in Zusammenarbeit mit der Firma CiBait (Saarbrücken) ein Software-System entwickelt wurde, in zwei psychosomatischen Modellkliniken erprobt; es liegen inzwischen knapp n=3.000 Datensätze für die Messzeitpunkte A und E vor, die derzeit forschungsmethodisch ausgewertet werden. Erste Ergebnisse werden im Frühjahr 2015 auf dem nächsten Deutschen Rehabilitationswissenschaftlichen Kongress in Augsburg vorgestellt werden.

Ausblick

Das entwickelte Routine-Assessment Psychosomatik erfüllt die wesentlichen Kriterien: a) Therapieschulen übergreifend einsetzbar b) relevant für Psychosomatik und c) für die Rehabilitation, d) lizenzfrei/ kostengünstig und e) psychometrisch überprüft. Je nach technischer Ausstattung und Zielrichtung stehen eine Software oder eine scannerlesbare Paper-Pencil-Version zur Verfügung. Erprobung erfolgt derzeit in zwei Kliniken der DRV BSH, weitere Kliniken werden nach der Erprobungsphase einbezogen, wodurch auch klinikvergleichende Analysen im Sinne von Benchmarks möglich werden. Für eine umfassendere Evaluation sind punktuelle Erweiterungen um einen Katamnesezeitpunkt geplant.

Routineassessment Psychosomatik - Entwicklung und Implementierung (Kooperationsprojekt mit der DRV Braunschweig-Hannover, des Rehazentrums Oberharz, der Deutschen Gesellschaft für Klinische Psychotherapie und Psychosomatischen Rehabilitation (DGPPR) und der Cibait AG Bexheim/Saarbrücken).