Weiterentwicklung des innovativen Konzeptes zur Förderung von individuellen, erwerbsbezogenen Zielorientierungen in der Medizinischen Rehabilitation FIEZ - Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für eine Implementierung in die Routineversorgung

Förderrahmen: Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz

Projektleiter: Dr. Wolfgang Bürger (fbg Karlsruhe), Dr. Rüdiger Nübling (GfQG)

Projektleiter-E-Mail: fbgbuerger@online.de, nuebling@gfqg.de

Laufzeit: 01.07.2012 - 31.12.2014

Themen: Medizinisch-berufliche orinetierte Rehabilitation (MBOR), Konzeptentwicklung

Hintergrund

Im Rahmen des von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz geförderten FIEZ-Projektes wurde ein innovativer Interventionsansatz entwickelt, der als berufsbezogenes Basisangebot für Rehabilitationskliniken indikationsübergreifend darauf abzielt, in den Kliniken eine grundlegende erwerbsbezogene Orientierung zu fördern (vgl. Bürger et al 2012). Dabei wird mithilfe einer frühzeitigen Erarbeitung individueller konkreter erwerbsbezogener Ziele (vgl. auch Gerlich, Neudert u. Botterbusch 2009, Hanna 2009) eine kognitive und motivationale Fokussierung sowohl des Rehabilitanden als auch des Rehabilitationsteams auf die erwerbsbezogene Zielsetzung der Rehabilitation unterstützt. So soll der gesamte nachfolgende Rehabilitationsprozess unter der Perspektive dieser Zielsetzungen besser wahrgenommen und genutzt werden. Die Intervention umfasst einen Chefarztvortrag mit früher Einstimmung auf die erwerbsbezogene Zielsetzung der Rehabilitation, die spezifisch erwerbsbezogene Aufnahmeuntersuchung durch die Rehabilitationsmediziner mit einer entsprechenden Erarbeitung von Behandlungszielen und darauf abgestimmten Behandlungsangeboten sowie ein ergänzendes spezifisches Gruppenangebot durch Psychologen und Sozialarbeiter. Die Intervention ist im Stufenmodell der MBOR  der Stufe A zuzuordnen, geht aber konzeptuell weit über die übliche Entwicklung von Einzelinterventionen mit beruflichem Schwerpunkt hinaus (vgl. Streibelt & Buschmann-Steinhage 2011, Egner, Schliehe, Streibelt 2011). Erste Hinweise auf eine grundlegende Wirkung der Intervention im Sinne einer Verminderung der Frühberentungsmotivation deuten die bereits präsentierten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie an.

Methodik

Zentraler Fokus in dieser Studie liegt in der Weiterentwicklung und der Erprobung des FIEZ-Konzeptes in vier Modellkliniken (Drei-Burgen-Klinik Bad Münster am Stein, Edith-Stein-Klinik Bad Bergzabern, Mittelrheinkllinik Bad Salzig und Klinik St. Franziska-Stift Bad Kreuznach).Die Grundzüge des FIEZ-Konzept war zwischen 2010 und 2012 in einer Machbarkeitsstudie (FIEZ-I) zusammen mit der Drei-Burgen-Klinik der DRV Rheinland-Pfalz zusammen mit Dr. Wolfgang Bürger (fbg Karlsruhe) entwickelt worden.  Die FIEZ-II-Studie sah nun vor, die Konzeptbestandteile zu konkretisieren sowie ggf. neue zu entwickeln. Dies erfolgte in enger und kontinuierlicher Abstimmung mit den Verantwortlichen (Klinikleitung, Psychologischer Dienst, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten etc.) der beteiligten Kliniken sowie der DRV Rheinland-Pfalz. 

Ergebnisse

Hauptergebnis des inzwischen abgeschlossenen Projekts ist ein Handbuch bzw. eine Handanweisung für die Implementierung des FieZ-Konzeptes in weiteren Kliniken. Es fasst die intensiven Erfahrungen der ca. 2-jährigen Projektlaufzeit zusammen und beschreibt detailliert, wie Kliniken eine stärkere MBOR-Orientierung in ihren Teams entwickeln bzw. fördern können. Dank der im Rahmen des Projektes stattgefundenen wertvollen Diskussionen mit den Leitungsteams  und den Mitarbeitern in den beteiligten Modellkliniken sowie Vertretern der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz konnten vielfältige Erfahrungen und Anregungen berücksichtigt werden, die zu einer Weiterentwicklung des FieZ-Ansatzes beigetragen haben. Aus den Modellkliniken haben wir wiederholt Rückmeldungen in dem Sinne erhalten, dass die mit der Einführung von FieZ erforderlichen Analyse- sowie Planungs- und Veränderungsprozesse wichtige und wertvolle Erfahrung für die Arbeit geliefert haben und im Sinne von Innovationen und Neuentwicklungen auch Spaß an kreativen Lösungen geweckt und Chancen im Sinne einer Neustrukturierung und Teambildung bedeuten.

Das vorliegende Handbuch soll Kliniken unterstützen, die eine konsequente erwerbsbezogene Orientierung des gesamten Behandlungsablaufes und eine entsprechende Ausrichtung aller Maßnahmen und Organisationsabläufe anstreben. Eine solche Zielsetzung erfordert die Beteiligung und entsprechende Motivation (fast) aller Mitarbeiter sowie der jeweiligen Behandlungsteams und lässt sich nicht einfach „von oben“ verordnen. Vielmehr setzt es eine entsprechende Bereitschaft und Motivation sowie das notwendige Wissen und die Handlungskompetenz bei den beteiligten Mitarbeitern voraus, die u.U. über Gruppendiskussionen, Fortbildungen und spezielle Trainings erst gefördert werden muss. Im Unterschied zu einem klassischen Therapiemanual werden Ihnen daher in diesem Handbuch auch keine vollständig ausgearbeiteten Handanweisungen für die Mitarbeiter präsentiert. Unsere Erfahrungen mit dieser Art von Unterstützungshilfen in den Modellkliniken waren eher ungünstig. Komplexe Veränderungen des Denk- und Handlungsansatzes in den Rehabilitationsteams und der organisatorischen Abläufe im Sinne von FieZ lassen sich diesen Erfahrungen zufolge kaum mit manualisierten Handanweisungen erreichen. Daher soll sie dieses Handbuch in diesem Prozess mehr im Sinne eines Empowerments und einer Strukturierungshilfe unterstützen, für Ihre Klinik jeweils individualisierte und optimierte Lösungen im Team zu erarbeiten.

 

Literatur

Bürger, W. Arbeit, Psychosomatik und Medizinische Rehabilitation. Bern. Huber 1997.
Egner, U, Schliehe, F, Streibelt, M. MBOR – Ein Prozessmodell in der Medizinischen Rehabilitation. Rehabilitation 2011; 50, 143-144.
Gerlich C, Neuderth S., Botterbusch I. Einfluss von Shared-Decision-Making (SDM) auf die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen in der medizinischen Rehabilitation. Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.) Tagungsband des 18. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquiums vom 9.-11. März 2009 in Münster, DRV-Schriften 2009, Band 83, S. 64-65.
Hanna, R., Fiedler, R.G., Dietrich, H., Greitemann, B. & Heuft, G. (2009). Zielanalyse und Zieloperationalisierung (ZAZO): Evaluation eines Gruppentrainings zur Förderung beruflicher Motivation. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 59, 1-10.
Streibelt, M & Buschmann-Steinhage, R. Ein Anforderungsprofil zur Durchführung der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation aus der Perspektive der gesetzlichen Rentenversicherung. Rehabilitation 2011; 50, 160-167.
 

Projektbezogene Publikationen und Präsentationen

Bürger, W.; Nübling, R. unter Mitarbeit von: Anton, E., Franzkoch, C., Günthner, A., Kretschmer, P., Kriz, D., Masius, U., Rudolph, M., Rüddel, H., U., Siefken-Kaletka, H., Stapel, M., Stirn, A.V., Weisenburger, R., Zucker, A. (2015). Förderung individueller erwerbsbezogener Zielorientierung – FieZ. Handbuch für Rehabilitationseinrichtungen. Speyer: DRV Rheinland-Pfalz

Bürger, W. Nübling, R. Kriz, D., Kretschmer, P., Masius, U.,Zucker, A., Rudolph, M., Stirn, A.V., Siefken-Kaletka, H., Stapel, M. & Weisenburger, R. (2015). FieZ-Studie der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz: Gelingt die Förderung einer grundlegenden erwerbsbezogenen Orientierung in Rehabilitationskliniken? DRV-Schriften, Band 107 (S. 44-47). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Bürger, W., Nübling, R., Kriz, D., Kretschmer, P., Masius, U., Zucker, A., Rudolph, M., Rüddel, H., Siefken-Kalefka, H., Stapel, M., Weisenburger, R. (2014). FIEZ-Studie der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz: Berufsbezogene Orientierung der Klinik aus der Perspektive der Mitarbeiter. DRV-Schriften, Band 103 (S. 54-56). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Bürger, W., Nübling, R. & Kriz, D. Keck, M., Kulick, B. & Stapel, M. (2013). Veränderungen der erwerbsbezogenen Motivation, Zielund Alltagsorientierung durch das Interventionskonzept FIEZ der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz. DRV-Schriften, Band 101 (S. 254-256). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Nübling, R., Bürger, W., Kaiser, U., Kriz, D., Schmidt, J. (2014). Medizinisch-berufliche orientierte Rehabilitation aus Patientensicht (MBOR-P) – Entwicklung einer Kurzskala zur subjektiven Einschätzung der erwerbsbezogenen Schwerpunktsetzung einer Rehabilitationsklinik. Band 103 (S. 138-141). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.