Reha-QS-Outcomestudie der DRV Baden-Württemberg und des Qualitätsverbunds Gesundheit - Analyse des Behandlungserfolgs in der medizinischen Rehabilitation - Konsequenzen für das interne Qualitätsmanagement

Förderrahmen: Gefördert durch die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg

Projektleiter: Prof. Dr. Edwin Toepler (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg), Dr. Udo Kaiser (Hochgebirgsklinik Davos); verantwortlich bei GfQG: Dr. Rüdiger Nübling

Projektleiter-EMail: toepler@samanet.de, udo.kaiser@hgk.ch, nuebling@gfqg.de

Laufzeit: 01.07.2012 - 31.08.2014

Themen: Ergebnisqualität in der Reha, subjektiver Behandlungserfolg, RSD-basierter Behandlungserfolg, Qualitätsmanagement, Qualitätskennzahlen

Hintergrund

Vor dem Hintergrund knapper Ressourcen, dem zunehmendem Reha-Bedarf und der politischen Diskussion um eine demografische Anpassung der Reha-Budgets gewinnt der Nachweis der Ergebnisqualität medizinischer Reha-Leistungen weiter an zentraler Bedeutung (z.B. Haaf, 2005, Steiner et al., 2009). Die kontinuierliche und klinikvergleichende Überprüfung der Behandlungsergebnisse ist darüber hinaus ein wichtiger Baustein eines funktionierenden Qualitätsmanagements (Schmidt et al., in press). Sie ermöglicht ein „Lernen von den Besten“ und führt zu organisatorischen Lernprozessen (Toepler et. al 2010).

 

Methodik

Im Rahmen der „Reha-QM-Outcome-Studie“ erfolgt die Datenerhebung auf drei Ebenen: (1) Katamnestische Patientenbefragung, (2) QM-Kennzahlen der beteiligten Kliniken und (3) Routine-Daten der Reha-Statistik Datenbasis (RSD). In die Studie einbezogen wurden n=7.616 Versicherte der DRV Baden-Württemberg, die im zweiten Halbjahr 2011 in einer Klinik des Qualitätsverbundes Gesundheit (www.qualitaetsverbund-gesundheit.de/) behandelt wurden. Eingeschlossen wurden alle Indikationsbereiche (Ausnahme Suchterkrankungen). Im vorliegenden Beitrag wird über Ergebnisse der katamnestischen Patientenbefragung ein Jahr nach Behandlungsende berichtet. Insgesamt n=4.161 Patienten aus 21 Kliniken nahmen an der Befragung teil, nach Abzug postalisch nicht erreichbarer sowie verstorbener Patienten liegt die Rücklaufquote bei 55%. Eingesetzt wurde ein Katamnesefragebogen (scannerlesbare Paper- und Pencil-Version), der zur Abbildung der Ergebnisqualität insbesondere Verfahren der direkten und quasi-indirekten (mit retrospektiver Erhebung der Prätestwerte) Veränderungsmessung verwendet (vgl. Schmidt et al., 2003).

 

Ergebnisse

42% der Studienteilnehmer sind weiblich, das Durchschnittsalter beträgt 56 Jahre (sd=10). Jeweils ca. 2/3 sind verheiratet und haben Hauptschulabschluss, 17% keinen Berufsabschluss und weitere 60% eine Lehre. Die Reha-Dauer beträgt im Schnitt 3,6 Wochen. Ca. 37% haben eine orthopädische, 23% eine onkologische und jeweils ca. 10% eine kardiologische oder psychische Hauptindikation; die Anteile der anderen Indikationen liegen zwischen 3,7% (Atemwege) und 1,5% (Haut). Über 90% der Patienten geben an, dass sie sich durch ihre gesundheitlichen Probleme zu Beginn der Reha „stark“ oder „extrem stark“ belastet fühlten. Hinsichtlich der Behandlungsergebnisse haben über 50% der Patienten ihre persönlichen Ziele „vollständig“ oder „größtenteils“, ein weiteres Drittel „teilweise“ erreicht. Dementsprechend glauben über 70% der Patienten, dass die stationäre Reha von „großem“ oder „deutlichem“ Nutzen für sie war (Abb. 1). Über 50% der erwerbstätigen Patienten haben ihre Berufstätigkeit sofort nach der Reha wieder aufgenommen, ein weiteres Viertel nach durchschnittlich ca. 2 Monaten. 82% der im Prä-Zeitraum berufstätigen Patienten waren dies auch im Post-Zeitraum, ca. 9% wurden arbeitslos und nur 1,7% in Zeit- bzw. 5,9% in Dauerrente. Die mittlere Effektstärke liegt für die Skala GB10 (Gesundheitliches Befinden) auf der Basis der quasi-indirekten Veränderungsmessung bei ES=.61 (sd=1,01), die mittlere Patientenzufriedenheit (ZUF8) bei M=25,2 (sd=4,9). Dabei bestehen z.T. deutliche Unterschiede zwischen Einrichtungen.

 

Diskussion

Die Ergebnisse weisen trotz eher schwieriger Ausgangsbedingungen (gesundheitlich und sozialmedizinisch/beruflich hoch belastete Patienten) in eine deutlich positive Richtung. Dabei korrespondieren die subjektiven Patienteneinschätzungen mit den „objektiveren“ harten Parametern wie Beitragszahlungen (vgl. Kaluscha et al. in diesem Band). Letzteres kann auch als Hinweis auf die Validität der patientenseitig selbstberichteten Outcomes interpretiert werden. Es zeigen sich z.T. deutliche Unterschiede zwischen Einrichtungen, die als Ausgangspunkt klinikübergreifender Lernprozesse im Sinne eines Benchmarkings gut geeignet erscheinen.

 

Literatur

Haaf, H.-G. (2005). Ergebnisse zur Wirksamkeit der Rehabilitation. Rehabilitation 44, e1-e20

Schmidt, J., Nübling, R. & Schmid-Ott, G. (2014, in press). Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. In Schmid-Ott, G. et al.: Psychosomatische Rehabilitation. München, Schattauer.

Schmidt, J., Steffanowski, A., Nübling, R., Lichtenberg, S. & Wittmann, W.W. (2003). Ergebnisqualität stationärer psychosomatischer Rehabilitation. Vergleich unterschiedlicher Evaluationsstrategien. Regensburg: Roderer.

Steiner, M., Zwingmann, C., Riedel, W., Schüssler, R. & Zweers, U. (2009). Die medizinische Rehabilitation Erwerbstätiger – Sicherung von Produktivität und Wachstum. Basel, Prognos AG.

Toepler, E., Forcher, R., Werner, O.  (2010). Qualitätsverbesserung durch Zusammenarbeit; in: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Innovation in der Rehabilitation; DRV Schriftenreihe Band 88, S. 74-77.

Projektbezogene Publikationen

Nübling, R., Kaluscha, R., Holstiege, J. Krischak, G., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Wichmann, B., Kaiser, U. & Toepler, E. (2015). Analyse des Behandlungserfolgs in der Medizinischen Rehabilitation - Konsequenzen für das interne Qualitätsmanagement. „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbundes Gesundheit und der DRV Baden-Württemberg. Abschlussbericht, März 2015.

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Holstiege, J., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U., & Toepler, E. (2015). Die „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbundes Gesundheit und der DRV Baden-Württemberg – Methodik und ausgewählte Ergebnisse. Prävention und Rehabilitation, 27, 77-94.

 

Nübling, R., Kaiser, U., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J. & Toepler, E. (2014, in press). Rehabilitation wirkt. Die „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbundes Gesundheit und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg belegt eine gute Ergebnisqualität der medizinischen Rehabilitation. Spektrum, Fachzeitschrift der DRV Baden-Württemberg, 2/2014, 25-32

 

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U., & Toepler, E. (2015, under review). Ergebnisqualität medizinischer Rehabilitation: Zum Zusammenhang zwischen „Patient Reported Outcomes“ (PROs) und geleisteten Sozialversicherungsbeiträgen. Rehabilitation.

Projektbezogene Präsentationen

Kaluscha, R., Nübling, R., Toepler, E., Kaiser, U., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Kriz, D., Schmidt, J., Krischak, G. (2014) Zusammenhänge zwischen Patientenselbsteinschätzung und Sozialversicherungsbeiträgen ein Jahr nach Rehabilitation: Ergebnisse aus der "Reha-QM-Outcome-Studie" des Qualitätsverbundes Gesundheit und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg. Band 103 (S. 191-193). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Kaluscha, R., Nübling, R., Holstiege J., Krischak, G., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U. & Toepler, E. (2015). Möglichkeiten zur Ermittlung des Erwerbsstatus aus Routinedaten und Rehabilitandenbefragung  am Beispiel der „Reha-QM-Outcome-Studie Baden-Württemberg“. DRV-Schriften, Band 107 (S. 155-156). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Nübling, R., Gross, M., Kaiser, U., Kaluscha, R., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Reuss-Borst, M., Renzland, J., Schmidt, J. &Toepler, E. (2013). Ergebnisqualität aus Sicht der Patienten ein Jahr nach Behandlungsende. Vortrag. Workshop Ergebnisqualität in der Rehabilitation – „Outcome-Studie“ des QM-Verbundes Reha-Kongress der DRV Baden-Württemberg, Stuttgart, 04.05.2013

 

Nübling, R., Kaiser, U., Kaluscha, R., Krischak, R., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Toepler, E. (2014). Ergebnisqualität medizinischer Rehabilitation – Katamnestische Ergebnisse der "Reha-QM-Outcome-Studie" des Qualitätsverbundes Gesundheit und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg. Band 103 (S. 188-190). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

 

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U. & Toepler, E. (2015). Psychische Beeinträchtigung und Empfehlung sowie Inanspruchnahme von Psychotherapie nach medizinischer Rehabilitation – Weitere Ergebnisse der „Reha-QM-Outcome-Studie“. DRV-Schriften, Band 107 (S. 315-318) Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund. 

Reuss-Borst, M. Nübling, R., Kaiser, U., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Schmidt, J. & Toepler,E. (2015). Return to Work in der Onkologie aus Patientensicht nach einem Jahr. DRV-Schriften, Band 107 (S. 89-91). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Toepler, E., Kaluscha, R., Nübling, R., Kaiser, U., Kriz, D., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Müller, G., Martin, H., Krischak, G. &Schmidt, J. (2015). Effekte internen Qualitätsmanagements – Ergebnisse der „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbunds Gesundheit und der DRV Baden-Württemberg. DRV-Schriften, Band 107 (S. 130-132). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.